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Multikocher im Alltag – Technik, Funktionsprinzip und realistische Einsatzbereiche

Multikocher (früher auch Schnellkochtopf genannt) versprechen, das Kochen im Alltag zu vereinfachen. Ein Topf, ein geschlossenes System und fest definierte Programme sollen dafür sorgen, dass Gerichte weitgehend selbstständig garen – ohne ständiges Umrühren oder permanente Kontrolle am Herd.

Viele ältere Leser kennen das Grundprinzip noch aus einer Zeit, in der Schnellkochtöpfe mit Überdruck gearbeitet haben. Damals wurde auf dem Herd gekocht, der Deckel verriegelt und der entstehende Druck verkürzte die Garzeit deutlich. Moderne Multikocher greifen dieses Prinzip wieder auf, setzen es jedoch elektrisch geregelt, temperaturüberwacht und mit automatischen Programmen um.

Trotzdem sind Multikocher keine Küchenmaschinen und auch keine universellen Kochsysteme. Technisch handelt es sich um geschlossene Garsysteme, bei denen Hitze, Zeit und – je nach Modell – Druck vorgegeben werden, während der Kochvorgang ohne aktive Mechanik abläuft. Genau dieser Punkt wird in vielen Beschreibungen kaum erklärt und führt zu falschen Erwartungen.

Dieser Beitrag ordnet Multikocher realistisch und verständlich ein. Er zeigt, wie sie technisch arbeiten, wo ihre Stärken im Alltag liegen und wo ihre Grenzen klar erreicht sind. Ziel ist keine Kaufempfehlung, sondern eine sachliche Einordnung – damit klar wird, wann ein Multikocher entlastet und wann andere Geräte sinnvoller sind.

Dieser Beitrag ist Teil der Übersicht „Küchengeräte im Alltag – Technik, Bauarten und Einsatzbereiche“, in der Küchengeräte und Kochsysteme thematisch eingeordnet und zusammengeführt werden.


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Was ein Multikocher technisch ist

Ein Multikocher ist technisch betrachtet ein elektrisch beheizter Topf mit geschlossenem System. Im Kern besteht er aus einem Heizelement im Geräteboden, einem herausnehmbaren Innentopf und einer elektronischen Steuerung, die Temperatur, Zeit und – bei entsprechenden Modellen – den Überdruck regelt. Eine aktive Mechanik zum Rühren, Kneten oder Zerkleinern ist nicht vorhanden.

Grundaufbau und Heizprinzip

Die Wärme entsteht ausschließlich von unten. Anders als bei Backöfen oder Kochfeldern mit mehreren Heizzonen gibt es keine seitliche oder umlaufende Hitzezufuhr. Das Gargut wird über den erhitzten Topfboden und die gespeicherte Wärme im geschlossenen Garraum erwärmt.
Durch den Deckel bleibt Hitze im System, wodurch gleichmäßige Garbedingungen entstehen, solange das Gericht nicht aktiv bewegt werden muss.

Bei Modellen mit Druckfunktion kommt zusätzlich ein druckdichter Deckel zum Einsatz. Steigender Druck erhöht den Siedepunkt von Wasser, wodurch Lebensmittel bei höheren Temperaturen gegart werden können. Das verkürzt Garzeiten, ändert aber nichts am grundlegenden Heizprinzip.

Programme, Temperaturführung und Zeitsteuerung

Die Programme moderner Multikocher basieren auf vordefinierten Temperatur-Zeit-Kombinationen. Begriffe wie „Reis“, „Suppe“ oder „Schmoren“ stehen dabei nicht für intelligente Anpassungen, sondern für fest hinterlegte Abläufe mit begrenzter Variabilität.
Die Elektronik überwacht, ob Zieltemperaturen erreicht werden, passt Heizzyklen an und schaltet das Gerät nach Ablauf automatisch ab oder in eine Warmhaltefunktion.

Wichtig: Die Steuerung reagiert nicht auf Konsistenz, Rührwiderstand oder Textur, sondern ausschließlich auf messbare physikalische Größen wie Temperatur und Druck.

Unterschied zwischen Temperaturregelung und Prozesssteuerung

Genau hier liegt der zentrale Punkt. Multikocher verfügen über eine Temperaturregelung, aber nicht über eine aktive Prozesssteuerung.
Das Gerät weiß, wie heiß es ist und wie lange geheizt wurde – nicht jedoch, was im Topf passiert.

Veränderungen wie:

  • Eindicken von Saucen
  • Ansetzen am Boden
  • Trennung von Flüssigkeit und Feststoffen

werden nicht erkannt und nicht ausgeglichen. Das erklärt, warum Multikocher bei klar definierten Gargerichten zuverlässig arbeiten, bei sensiblen Zubereitungen jedoch schnell an ihre Grenzen stoßen.

ein Gemüseeintopf kochend in einem Multikocher

Welche Aufgaben Multikocher zuverlässig übernehmen

Multikocher sind dann besonders zuverlässig, wenn keine aktive Bewegung des Garguts erforderlich ist und der Garprozess über Zeit, Temperatur und ein geschlossenes System gesteuert werden kann. In diesen Szenarien arbeiten sie reproduzierbar und entlasten im Alltag spürbar.

Garen, Schmoren und langsames Kochen

Gerichte, die über längere Zeit bei gleichmäßiger Hitze garen, gehören zu den klassischen Stärken von Multikochern. Dazu zählen Schmorgerichte, Eintöpfe oder Hülsenfrüchte. Die konstante Wärme von unten und der geschlossene Deckel sorgen dafür, dass Flüssigkeit kaum entweicht und das Gargut gleichmäßig erhitzt wird.

Besonders beim langsamen Garen spielt das System seine Vorteile aus. Nach dem Start läuft der Prozess ohne Eingreifen ab, das Risiko des Anbrennens bleibt gering, solange ausreichend Flüssigkeit vorhanden ist.

Reis, Eintöpfe und Suppen im geschlossenen System

Reisgerichte und Suppen profitieren von der klar definierten Wassermenge und der automatischen Abschaltung. Der Multikocher erhitzt bis zum Erreichen der Zieltemperatur und reduziert danach selbstständig die Heizleistung. Dadurch entstehen wiederholbare Ergebnisse, ohne dass permanent kontrolliert werden muss.

Für den Alltag bedeutet das: ein fester Ablauf, der auch dann funktioniert, wenn mehrere Dinge parallel erledigt werden.

Zeitersparnis durch Druckfunktion – was sie wirklich bringt

Modelle mit Druckfunktion verkürzen Garzeiten, weil sie Lebensmittel oberhalb des normalen Siedepunkts garen können. Gerade bei zähem Fleisch, getrockneten Hülsenfrüchten oder Wurzelgemüse ist der Effekt deutlich messbar.

Wichtig ist jedoch die realistische Einordnung: Die Zeitersparnis betrifft die eigentliche Garphase, nicht Vorbereitung, Aufheizen oder Druckabbau. Im Alltag ist der Vorteil vorhanden, aber nicht so drastisch, wie es manche Herstellerangaben suggerieren.


Technische und praktische Grenzen von Multikochern

So zuverlässig Multikocher bei klar definierten Gargerichten arbeiten, so deutlich zeigen sich ihre Grenzen, sobald der Kochprozess Bewegung, Eingreifen oder Feinsteuerung erfordert. Diese Einschränkungen sind systembedingt und lassen sich nicht durch zusätzliche Programme ausgleichen.

Keine aktive Mechanik – warum Rühren fehlt

Multikocher besitzen keine integrierte Rühr-, Knet- oder Mischmechanik. Das Gargut bleibt während des Kochens weitgehend unbewegt.
Bei flüssigen oder gleichmäßig feuchten Gerichten ist das unproblematisch, bei dickeren oder stärkehaltigen Speisen jedoch kritisch.

Saucen, Milchgerichte oder cremige Zubereitungen neigen dazu, sich am Topfboden abzusetzen. Ohne Bewegung entsteht Hitzeeinwirkung an einer Stelle, was Ansetzen oder ungleichmäßiges Garen begünstigt. Manuelles Eingreifen ist zwar möglich, widerspricht aber dem Grundgedanken des selbstständig arbeitenden Geräts.

Konsistenzkontrolle während des Garens

Ein Multikocher erkennt nicht, wie sich ein Gericht entwickelt. Veränderungen der Konsistenz – etwa das Eindicken von Flüssigkeiten oder das Zerfallen von Zutaten – bleiben für das Gerät unsichtbar.
Die Steuerung reagiert ausschließlich auf Temperatur, Zeit und gegebenenfalls Druck.

Für den Alltag bedeutet das: Gerichte, die ein aktives Abschmecken, Nachregeln oder Andicken erfordern, lassen sich nur eingeschränkt sinnvoll zubereiten. Der Multikocher folgt seinem Programm – unabhängig davon, ob das Ergebnis bereits erreicht ist oder noch Anpassungen nötig wären.

Wo Multikocher im Alltag an ihre Grenzen stoßen

Grenzen zeigen sich vor allem bei:

  • empfindlichen Saucen und Emulsionen
  • Pfannengerichten mit hoher Bratintensität
  • Teigen, die Bewegung oder Strukturaufbau benötigen

Auch das Anbraten ist technisch möglich, aber durch die begrenzte Hitzeleistung von unten und die fehlende Verdunstungsfläche nur eingeschränkt vergleichbar mit einer Pfanne oder Kochplatte.

Diese Einschränkungen sind kein Mangel, sondern die logische Konsequenz des Systems. Multikocher sind für bestimmte Abläufe optimiert – nicht für alle Kochsituationen.

eine alte rote Lebensmittelwaage

Unterschied zu Küchengeräten mit Kochfunktion

Multikocher und Küchengeräte mit Kochfunktion werden im Alltag häufig in einen Topf geworfen, erfüllen technisch jedoch grundlegend unterschiedliche Aufgaben. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie erklärt, warum beide Gerätekategorien im Einsatz völlig andere Stärken und Grenzen haben.

Mechanik plus Hitze vs. reines Garsystem

Ein Multikocher ist ein reines Garsystem. Er erhitzt den Topfinhalt, hält Temperatur und Zeit konstant und arbeitet – je nach Modell – mit Überdruck. Der Kochprozess selbst bleibt jedoch passiv. Das Gerät greift nicht aktiv in die Struktur oder Bewegung der Zutaten ein.

Küchengeräte mit Kochfunktion kombinieren dagegen Hitze mit Mechanik. Sie rühren, zerkleinern, mischen oder kneten während des Kochens. Dadurch wird der Garprozess fortlaufend beeinflusst. Hitze wirkt nicht nur von unten, sondern im Zusammenspiel mit Bewegung, was eine aktive Prozesssteuerung ermöglicht.

Dieser Unterschied bestimmt, welche Gerichte zuverlässig gelingen – und welche nicht.

Warum Multikocher keine Kochmaschinen ersetzen

Multikocher können viele Kochschritte automatisieren, ersetzen aber keine Küchenmaschine mit Kochfunktion. Sobald ein Gericht:

  • kontinuierliches Rühren benötigt,
  • während des Garens verändert werden muss,
  • oder eine gezielte Texturentwicklung erfordert,

stoßen Multikocher systembedingt an ihre Grenzen.

Küchengeräte mit Kochfunktion sind dafür ausgelegt, Prozesse zu begleiten, nicht nur Zeit und Temperatur einzuhalten. Sie sind komplexer, aufwendiger und weniger „Topf-Ersatz“, dafür aber vielseitiger in der Zubereitung.

Ein Multikocher entlastet beim Garen.
Eine Kochmaschine unterstützt beim Zubereiten.


Multikocher im Überblick – fünf technische Systemtypen

Multikocher folgen im Kern einem ähnlichen technischen Prinzip, unterscheiden sich im Alltag jedoch deutlich in Bedienlogik, Automatisierungsgrad und Zusatzfunktionen. Diese Unterschiede entscheiden darüber, wie viel Kontrolle der Nutzer behält, wie stark der Kochprozess automatisiert abläuft und für welche Gerichte sich ein Gerät tatsächlich eignet.

Die nachfolgenden Geräte sind daher nicht als Vergleich oder Bestenliste zu verstehen. Sie stehen stellvertretend für fünf unterschiedliche Systemtypen, die aktuell im Markt verbreitet sind. Ziel ist es, die zuvor beschriebenen technischen Grundlagen an konkreten Beispielen nachvollziehbar zu machen.

Im Fokus steht dabei nicht die Marke, sondern die konstruktive Auslegung:
ob ein Multikocher ausschließlich als Druck-Garsystem arbeitet, ob zusätzliche Heiz- oder Garzonen integriert sind oder ob das Gerät stärker auf programmgestützte Automatisierung ausgelegt ist. Genau diese Unterschiede prägen den praktischen Einsatz im Alltag – oft stärker als die Anzahl der Programme.


Klassischer Druck-Multikocher (Referenzsystem)

Instant Pot Pro

Der Instant Pot Pro steht exemplarisch für den klassischen elektrischen Druck-Multikocher, wie er heute weit verbreitet ist. Technisch kombiniert er einen elektrisch beheizten Topf mit einem druckdichten Deckelsystem und einer programmgestützten Steuerung für Zeit und Temperatur.

Das Gerät arbeitet mit Überdruck, um den Garprozess zu beschleunigen, bleibt dabei aber ein passives Garsystem. Während des Kochens findet keine aktive Bewegung des Inhalts statt. Die Programme regeln den Ablauf zuverlässig, greifen jedoch nicht in Konsistenz oder Struktur des Garguts ein.

Typisch für dieses System ist die klare Ausrichtung auf:

  • Schmorgerichte
  • Eintöpfe und Suppen
  • Reis- und Hülsenfruchtgerichte

Der Instant Pot Pro eignet sich damit gut als Referenz, um zu verstehen, was ein Multikocher grundsätzlich leisten kann – und wo die systembedingten Grenzen liegen.


Hybrid-Multikocher mit zusätzlichem Heißluft- und Grillsystem

Ninja Speedi

Der Ninja Speedi steht für einen Hybrid-Ansatz, bei dem das klassische Multikocher-Prinzip um ein separates Heißluft- und Grillsystem ergänzt wird. Technisch kombiniert das Gerät einen beheizten Topf im unteren Bereich mit einem zusätzlichen Heizelement im Deckel, das für Umluft, Grill- oder Bratfunktionen genutzt wird.

Im Unterschied zum reinen Druck-Multikocher liegt der Fokus hier weniger auf Überdruck, sondern auf der Kombination verschiedener Garverfahren innerhalb eines Geräts. Während der Topfbereich weiterhin als passives Garsystem arbeitet, ermöglicht das obere Heizelement eine trockene Hitzeeinwirkung, etwa zum Bräunen oder Überbacken.

Diese Bauart erweitert die Einsatzmöglichkeiten, ändert jedoch nichts am Grundprinzip: Auch hier fehlt eine aktive Mechanik zur Bewegung des Garguts. Der Hybrid-Charakter schafft zusätzliche Optionen, ersetzt aber keine Küchenmaschine mit Kochfunktion und bleibt in seiner Arbeitsweise klar vom reinen Garen geprägt.

Der Ninja Speedi dient damit als Beispiel für Multikocher, die über das klassische Druckgaren hinausgehen, ohne das grundlegende System zu verlassen.


Programmorientierter Druck-Multikocher

Rommelsbacher „MeinHans“

Der Rommelsbacher „MeinHans“ steht für einen Multikocher, bei dem der Schwerpunkt weniger auf manueller Steuerung als auf vordefinierten Automatikprogrammen liegt. Technisch handelt es sich um einen klassischen Druck-Multikocher, der Hitze, Zeit und Druck in festgelegten Abläufen kombiniert.

Charakteristisch für dieses System ist die starke Orientierung an Programmlogiken, die typische Kochprozesse abbilden sollen. Der Nutzer greift dabei weniger in den Ablauf ein, sondern verlässt sich auf die hinterlegten Parameter. Das kann im Alltag entlastend sein, setzt aber voraus, dass die Gerichte zum vorgesehenen Programmschema passen.

Auch hier bleibt der Kochprozess passiv. Konsistenzveränderungen oder individuelle Anpassungen während des Garens sind technisch nicht vorgesehen, was die Einsatzbereiche klar eingrenzt.


Druck-Multikocher mit beschichtetem Innentopf

COSORI Multikocher

Der COSORI Multikocher repräsentiert die Gruppe der Druck-Multikocher, bei denen der Innentopf konstruktiv im Fokus steht. Die Keramikbeschichtung zielt darauf ab, Anhaftungen zu reduzieren und die Reinigung zu erleichtern, verändert jedoch nicht das grundlegende Funktionsprinzip.

Das Gerät arbeitet mit Überdruck und elektronischer Steuerung, bleibt dabei aber ein reines Garsystem ohne aktive Mechanik. Die Beschichtung kann im Alltag Vorteile beim Anbraten oder bei stärkehaltigen Speisen bieten, ersetzt jedoch keine Bewegung des Garguts.

Dieses System zeigt, dass sich Unterschiede bei Multikochern häufig auf Materialwahl und Komfortmerkmale beziehen, während die technische Arbeitsweise identisch bleibt.


Stark automatisiertes Menü-System

Cecotec GM H-Deluxe

Der Cecotec GM H-Deluxe steht für Multikocher, die besonders stark auf Automatisierung und Zeitprogrammierung setzen. Das Gerät bietet eine Vielzahl fest definierter Menüs und erlaubt es, Kochprozesse im Voraus zu planen.

Technisch bleibt auch dieses System ein klassischer Druck-Multikocher. Die Besonderheit liegt nicht im Heiz- oder Garprinzip, sondern in der Bedienlogik. Der Nutzer gibt Startzeit, Programm und Parameter vor, der Kochvorgang läuft anschließend vollständig automatisiert ab.

Diese Auslegung richtet sich an Anwender, die Kochen zeitlich entkoppeln möchten. Gleichzeitig bleiben die bekannten Grenzen bestehen: fehlende Konsistenzkontrolle, keine aktive Mechanik, eingeschränkte Eingriffsmöglichkeiten während des Garens.


Für wen Multikocher sinnvoll sind – und für wen nicht

Multikocher können den Alltag spürbar erleichtern – wenn sie zur Art des Kochens passen. Gleichzeitig führen sie zu Frust, wenn Erwartungen und tatsächliche Möglichkeiten auseinanderliegen. Eine realistische Einordnung ist deshalb wichtiger als Funktionslisten oder Programmnamen.

Für wen Multikocher sinnvoll sind

Multikocher eignen sich vor allem für Menschen, die strukturiert und planbar kochen möchten. Wer Gerichte zubereitet, die über feste Zeiten und Temperaturen funktionieren, profitiert von der automatisierten Arbeitsweise. Der Kochprozess läuft im Hintergrund, ohne dass dauerhaft Aufmerksamkeit nötig ist.

Auch für Nutzer, die körperliche Entlastung suchen, können Multikocher hilfreich sein. Das Gerät übernimmt den Großteil des Garvorgangs, das Umsetzen zwischen Herd, Topf und Ofen entfällt. Besonders bei Eintöpfen, Suppen oder Schmorgerichten reduziert sich der Aufwand deutlich.

Ein weiterer Vorteil zeigt sich im Alltag dort, wo Zeitfenster klar begrenzt sind. Multikocher erlauben es, Kochvorgänge zu starten, ohne währenddessen anwesend sein zu müssen. Das Ergebnis ist berechenbar, solange das Gericht zum System passt.

Für wen Multikocher weniger geeignet sind

Weniger sinnvoll sind Multikocher für Menschen, die intuitiv kochen und während des Garens regelmäßig eingreifen. Wer abschmeckt, nachregelt, rührt oder die Konsistenz aktiv beeinflussen möchte, stößt schnell an systembedingte Grenzen.

Auch bei Gerichten, die Textur, Bräunung oder punktgenaue Garstufen erfordern, sind Multikocher nicht die richtige Wahl. Das gilt insbesondere für Pfannengerichte, empfindliche Saucen oder Zubereitungen, bei denen der Kochprozess visuell begleitet werden muss.

Nicht zuletzt sind Multikocher ungeeignet für alle, die eine Küchenmaschine erwarten. Sie ersetzen weder Rührwerke noch Zerkleinerer und bieten keine aktive Prozessführung. Wer genau das sucht, wird mit einem Multikocher langfristig nicht zufrieden sein.

eine Kelle voll mit einer Gemüse-Nudel-Suppe

Fazit – sachliche Einordnung

Multikocher sind keine Alleskönner, aber auch keine reine Spielerei. Sie erfüllen eine klar definierte Aufgabe: das zuverlässige Garen von Gerichten, die über Zeit, Temperatur und – je nach Modell – Überdruck gesteuert werden können. In genau diesen Szenarien arbeiten sie reproduzierbar, entlasten im Alltag und reduzieren den Bedarf an permanenter Aufmerksamkeit.

Gleichzeitig sind die technischen Grenzen eindeutig. Multikocher arbeiten als passive Garsysteme ohne aktive Mechanik. Sie erkennen keine Konsistenzveränderungen, reagieren nicht auf Textur, Rührbedarf oder Garfortschritt und eignen sich daher nicht für Zubereitungen, die Eingreifen oder Feinsteuerung erfordern. Diese Einschränkungen sind kein Qualitätsmangel, sondern die logische Konsequenz des Systems.

Entscheidend ist deshalb weniger die Geräteausstattung als die eigene Kochweise. Wer strukturierte Gerichte zubereitet und den Kochprozess gern im Hintergrund ablaufen lässt, kann von einem Multikocher profitieren. Wer dagegen aktiv kocht, abschmeckt, nachregelt und Konsistenzen entwickelt, wird die Grenzen schnell spüren.

Für eine weiterführende Einordnung lohnt sich der Blick auf eine andere Geräteklasse. Küchengeräte mit Kochfunktion verfolgen einen grundlegend anderen Ansatz, da sie Hitze mit aktiver Mechanik verbinden und Kochprozesse nicht nur steuern, sondern begleiten. Eine detaillierte technische Abgrenzung findet sich im Beitrag „Küchenmaschinen mit Kochfunktion – Technik, Systeme und Einsatzbereiche im Überblick“, der diese Unterschiede sachlich und praxisnah erläutert.

Unterm Strich zeigt sich: Multikocher sind kein Ersatz für klassische Kochtechnik, können aber als gezielte Ergänzung sinnvoll sein – wenn ihr Einsatz realistisch eingeordnet wird.

Autor Jens K.

Autor: Jens K.

Gründer von BusinessVorsprung.de. Jens K. schreibt hier über Technik, Alltagshilfen und Geräte aus verschiedenen Anwendungsbereichen.
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Zuletzt aktualisiert: 28.01.2026


FAQ – Häufige Fragen zu Multikochern

1. Ersetzen Multikocher den Herd vollständig?

Nein. Multikocher können einzelne Kochaufgaben übernehmen, ersetzen aber keine vollständige Herd- oder Küchenausstattung. Sie eignen sich für klar definierte Garprozesse, nicht für spontane oder parallel laufende Kochvorgänge.

2. Ist ein Multikocher sicherer als ein klassischer Schnellkochtopf?

Moderne Multikocher arbeiten mit elektronischer Überwachung, automatischem Druckabbau und mehreren Sicherheitssperren. Das reduziert Fehlbedienung, ändert aber nichts daran, dass es sich um ein geschlossenes Hochtemperatursystem handelt, das korrekt genutzt werden muss.

3. Kann man im Multikocher wirklich anbraten?

Technisch ja, praktisch mit Einschränkungen. Die Hitze kommt nur von unten, die Verdunstung ist begrenzt. Für kräftige Röstaromen oder größere Mengen ist eine Pfanne meist besser geeignet.

4. Wie flexibel sind Programme im Alltag wirklich?

Programme bieten Planbarkeit, keine Intelligenz. Sie funktionieren gut, wenn Zutatenmenge und Rezept passen. Abweichungen erfordern manuelle Anpassung – oder führen zu Abstrichen im Ergebnis.

5. Spielt das Material des Innentopfs eine große Rolle?

Material und Beschichtung beeinflussen Reinigung, Anhaftung und Haltbarkeit, nicht jedoch das grundlegende Garprinzip. Die Ergebnisse hängen stärker vom Gericht und der Flüssigkeitsmenge ab als vom Topfmaterial.

6. Sind Multikocher für größere Haushalte geeignet?

Das hängt weniger vom Haushalt als vom Kochstil ab. Multikocher arbeiten seriell – ein Garprozess nach dem anderen. Für paralleles Kochen oder große Mengen stoßen sie schneller an praktische Grenzen.